www.brix.de - Hauptseite,  Elektrotechnik Erstellt: 2012-05-07, Stand: 2026-09-04

Was ist die 1/2 (oder 3/4) Stelle einer Digitalanzeige?

Immer wieder taucht die Frage auf, was denn eine 3 1/2-stellige oder 3 3/4-stellige Anzeige überhaupt sei. Dazu soll hier ein hoffentlich leicht verständlicher Antwortversuch gegeben werden:

Man darf die Angabe 1/2 nicht als "ein Halb" oder 0,5 interpretieren, sondern sollte etwa "1 von 2" daraus lesen. Denn gemeint ist, dass in der höchstwertigen Stelle der Anzeige nur eine "0" und eine "1" stehen kann, eine "2" eben gerade nicht mehr.

Eine 3/4-Stelle kann dem entsprechend eine "0", eine "1", eine "2" und eine "3" anzeigen und eine "4" gerade nicht mehr. - Theoretisch wären also auch 2/3- oder 5/6-stellige Anzeigen denkbar, auch wenn sie in der Praxis wohl sehr selten sind. Eine ganze Stelle wäre nach dieser Logik eine 9/9-Stelle.

Die 1/2-Stelle erklärt auch, warum die meisten Messgeräte auf "2" beginnende Messbereiche haben, also etwa 20 mV, 20 V, 200 V. Da 2000 V wegen "Hochspannung" nicht mehr geht, ist dann der nächste Bereich meist 600 V, der aber nur noch 3-stellig angezeigt werden kann. - Messgeräte mit 3/4-Stelle haben demnach (meistens) auf "4" beginnende Messbereiche.

3 1/2-stelliges Messgerät

          1/2    3     2     1
        +-----+-----+-----+-----+
        |   1 |   9 |   9 |   9 |
        |  /  |  /  |  /  |  /  |
        | 0   | 0   | 0   | 0   |
        +-----+-----+-----+-----+

3 ganze Stellen von rechts: 0 - 9
1/2 Stelle ganz links:      0 - 1  --> 1/2
Anzeigeumfang:              0 - 1999
z.B.: 1,999
      _2,99
      165,3
      _228,

3 3/4-stelliges Messgerät

          3/4    3     2     1
        +-----+-----+-----+-----+
        |   3 |   9 |   9 |   9 |
        |  /  |  /  |  /  |  /  |
        | 0   | 0   | 0   | 0   |
        +-----+-----+-----+-----+

3 ganze Stellen von rechts: 0 - 9
3/4 Stelle ganz links:      0 - 3  --> 3/4
Anzeigeumfang:              0 - 3999
z.B.: 3,999
      _4,76
      323,8
      _407,

5 2/3-stelliges Messgerät

          2/3    5     4     3     2     1
        +-----+-----+-----+-----+-----+-----+
        |   2 |   9 |   9 |   9 |   9 |   9 |
        |  /  |  /  |  /  |  /  |  /  |  /  |
        | 0   | 0   | 0   | 0   | 0   | 0   |
        +-----+-----+-----+-----+-----+-----+
        
5 ganze Stellen von rechts: 0 - 9
2/3 Stelle ganz links:      0 - 2  --> 2/3
Anzeigeumfang:              0 - 299999
z.B.: 2,99999
      _3,7654
      223,834
      _329,75

Wie berechnet sich der Messfehler?

Es soll folgendes Beispiel berechnet werden:
Ein 3 1/2-stelliges Digitalmessgerät hat einen Messfehler von +/- 1,5% +/- 4 Digits. Es wird im Messbereich 20 A eingesetzt.

Welches ist der größte anzeigbare Wert?
19,99 A, weil die erste Stelle nur "0" oder "1" anzeigen kann.

Das Messgerät zeigt 8 A an.
Wie groß sind der größte wahre Wert und der kleinste wahre Wert, die bei der Messung tatsächlich vorliegen könnten?

 _8,00 A   +/- 1,5 %    --> +/- 0,12 A (wird vom angezeigten Messwert berechnet!)
           +/- 4 Digits --> +/- 0,04 A (1 Digit --> 0,01 A, hängt vom Messbereich ab!)
 
           Gesamtfehler --> +/- 0,16 A im speziellen Fall

Ergebnis:
_8,16 A größter wahrer Wert
_7,84 A kleinster wahrer Wert

Wichtig dabei:
Der Messfehler in % wird vom jeweils angezeigten Messwert berechnet.

1 Digit bedeutet den Wert der niederwertigsten Stelle (also ganz rechts) im jeweiligen Messbereich und seines bei der aktuellen Messung möglichen Anzeigeumfangs.
Beispielmessung (wieder 3 1/2-stellig, Messbereich 20 A):
_8,16 A --> 1 Digit = 0,01 A
1,678 A --> 1 Digit = 0,001 A

Und bei einem Analogmessgerät?

Zum Vergleich die Antwort auf die Frage, in welchem Bereich sich der wahre Werte befinden würde, wenn ein Analogmessgerät der Klasse 1,5 im 10 A Messbereich im obigen Fall (Messung 8 A) eingesetzt werden würde:

Klasse 1,5  -->  +/- 1,5 % von 10 A (Skalenendwert) -->  +/- 0,15 A

Dies Abweichung berechnet sich vom Skalenendwert (nicht vom angezeigten Wert!) und gilt im ganzen Messbereich (0 - 10 A).

Ergebnis:
8,15 A größter wahrer Wert
7,85 A kleinster wahrer Wert

Das heißt in diesem Falle ist das Analogmessgerät genauer als das Digitalmessgerät, wobei vorausgesetzt wird, dass das Analogmessgerät auch genau abgelesen werden kann.


Stefan Brix
sx@brix.de

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